Calamity Jane, Macherin
Wer weiß, wäre die Geschichte günstiger und ruhiger für Martha Jane Cannary Burke verlaufen, sie wäre womöglich Kauffrau oder etwas anderes halbwegs seriöses geworden. Als sie 15 war, sah sie sich allerdings mit der Situation konfrontiert, alleine für ihre fünf Geschwister sorgen zu müssen. Das war 1867.
Die Dame, von der wir sprechen, ist heutzutage besser bekannt unter dem Namen Calamity Jane. Heutzutage mitunter als Proto-Feministin gehandelt, ergriff Frau Burke ungefähr alle erdenklichen Berufe, um für sich und ihre Geschwister zu sorgen, und die meisten davon waren Männerdomänen. Gut, Krankenschwester und Saloondame war sie auch, das war zu der Zeit nichts Ungewöhnliches für eine Frau, aber sie fuhr auch Postkutschen, suchte Gold und war in der Armee von General Custer tätig. Sie kleidete sich wie ein Mann und benahm sich auf eine Weise, die, schenkt man den uns vorliegenden Zeugnissen aus jener Zeit Glauben, zu jener Zeit selbst im Wilden Westen äußerst untypisch für eine Frau war: sie trank, fluchte und schoss nicht bloß wie die harten Burschen aus den Filmen, sie war vor allem eines: unabhängig. So ist es kaum verwunderlich, dass sie sich selbst ermächtigte, Geschichte zu schreiben: ihre Geschichte, ihre Autobiographie. Freilich ein früher Fall von Herstory und Grundstein für den amerikanischsten aller feministischen Stoffe.